“Das braucht jahrelanges Training!” (Die Botschaft hinter den Worten.)

Die Worte: “Das braucht jahrelanges Training” haben bei mir eine negative Konnotation.

Ich hab sie oft gehört wenn ich den Papa gefragt habe, wieso jemand etwas so gut kann, oder wir irgendwo in der Stadt gestanden sind und einem Bboy zugesehen haben wie er seine Füße durch die Luft wirbelt.

An sich ein neutraler und faktisch richtiger Satz. Doch bei mir kamen hauptsächlich 3 Aussagen an, die mit der Grundinformation des Satzes gar nichts zu tun haben und zwar: Das dauert ewig, ist schwer und für mich unerreichbar.
Und dass es sehr lange dauert und mühsam ist, egal in welchem Bereich, eine Meisterschaft zu erlangen, stimmt ja.

Also in meinem Kindergehirn entsteht die Verbindung: Etwas sehr gut können = schwer.

Wenn es so schwer und unerreichbar ist, wieso sollte ich dann noch etwas gut können wollen?

Eltern liefern uns selten rein sachliche Informationen (nach denen wir als Kinder auch kaum WIRKLICH fragen), meisten übermitteln sie uns ihr Gefühl und ihre Einstellung zu etwas oder jemanden. Und wir übernehmen sie bereitwillig, also naja was heißt bereitwillig, wir haben mehr oder weniger keine Wahl, denn wir wollen ja den Eltern entsprechen und geliebt werden.

Ein Erwachsener kann die Meinung des anderen (wenn er es denn gelernt hat) differenziert betrachten und dann zu einem eigenen Schluss kommen. Er ist nicht auf die Liebe des anderen angewiesen um zu überleben. Zumindest nicht so wie als Kind, aber wenn man es genau nimmt verbiegen sich auch die Erwachsenen noch zur genüge, aus der Angst mit einer anderen Meinung, nicht dazuzugehören.

Ein Kind hingegen nimmt die Situation wieder ganz anders wahr, es will/kann keine Fakten verstehen. Aber was will es dann? Vielleicht will es einfach das gleiche machen/lernen? Vielleicht will es die gleiche Meisterschaft erreichen, oder einfach nur ausprobieren. AUSPROBIEREN ist denke ich das Stichwort.

Das Kind will begreifen, selbst tun, selbst fühlen. Vielleicht hat das Kind ja ein Talent dazu und es ist gar nicht so schwierig wie der Papa meint, sondern es macht extrem viel Spass es immer wieder zu probieren, wie damals beim laufen lernen. (Wobei ich mir beim Laufen nicht sicher bin, ob da das Lernen je Spass gemacht hat).

Wenn das Kind nun (noch) sehr elternbezogen ist, wird es die Dinge nicht ausprobieren, wenn der Elternteil diese Tätigkeit als schwierig/mühsam empfindet.
Denn sonst würde es ja entgegen den Vorstellungen seiner Eltern handeln und sich unbeliebt machen.

Die Ausnahme wäre dann, wenn ein Kind soviel Liebe von seinen Eltern bekommt, ganz egal was es macht und ausprobiert und wie gut es darin ist. So würde das Kind merken dass sein Verhalten und seine Handlungen nicht mit der Liebe die es von den Eltern bekommt, gekoppelt ist. Dies würde von den Eltern eine sehr hohe Stufe der Selbstbewusstheit erfordern, welche jedoch relativ selten vorhanden ist.

Das ist jedoch kein Grund zur Trauer, denn die Kinder werden erwachsen und können sich im laufe ihres Lebens neu erfahren und ungewollte Muster auflösen sofern es ihnen ein Anliegen ist.

Und überhaupt, wir bekommen ja auch all die guten Eigenschaften mit. Und wieder liegt es an uns, unsere Aufmerksamkeit zu lenken.

Wohin lenkst du deine Aufmerksamkeit? Auf das negative oder auf das positive?

In diesem Sinne einen schönen verschneiten Sonntag und viel Spaß beim ausprobieren!

 


6 thoughts on ““Das braucht jahrelanges Training!” (Die Botschaft hinter den Worten.)

  1. Dieser dein Text ist auch an schönen, sonnigen Tagen inspirierend und geeignet, so manch lichtscheues Gesindel. das sich’s gemütlich unterhalb des Alltagsbewusstseins eingerichtet hat, ins Sonnenlicht zu ziehen…

    Nachdem ich mich jahrzehntelang überwiegend mit belastenden Lebensumständen auseinandergesetzt und darauf einzelkäpferisch und sehr individuell und energieaufwändig reagiert habe, bin ich nun schon seit einiger Zeit froh, alles gelassener empfinden zu können.
    In diesem Zusammenhang richtet sich meine Aufmerksamkeit immer mehr auf die positiven Vorgänge, Erfahrungen, Begegnungen, Empfindungen, … wobei sich allerdings meistens vorher Auslöser, die ich zunächst als negativ empfinde, durch den Prozess der Selbstanalyse ins Positive verwandeln: = Muster auflösen.
    Schade ist allerdings, dass diese Muster bei mir erst relativ spät als solche erkannt und dann erst bearbeitet werden konnten. Und viele lauern noch unter der Oberfläche oder verstecken sich dort und wollen sich gar nicht so leicht dem erhellenden Tageslicht aussetzen… Na ja, und die Umwelt = Partner, Kinder, Freunde, Menschen, Tiere, Natur, … habens dann auszuhalten – oder besser – auch nicht.

    Like

    1. Danke für deine Antwort, das macht den Blog hier erst lebendig!
      Ich denke ich kann mich glücklich schätzen, so eine Beziehung zu dir zu haben, das schätze ich, ist doch ein Privilig.

      Ja schlimm, wo ich jetzt so nachdenke hast du echt eine lange Zeit gekämpft und den “Trotz” aus deiner frühen Kindheit so lange mitgetragen.

      In dieser Hinsicht geht es mir da deutlich besser, mit so jungen Jahren schon soviel gelöst zu haben.

      Liked by 1 person

  2. Hello von da wo der Schnee nicht liegen bleibt…

    Dein Text berüht mich, weil das auch eines meiner Themen ist und dieser Satz bei mir dasselbe auslöst. Woher? -Gute Frage! Was ws dazu beigetragen hat, ist mein mangelndes Selbstbewusstsein, das ich (so wie du) mit dem Wechsel in die Regelschule verloren habe. Und noch was hab ich verloren, nämlich die Lust was auszuprobieren oder (was ich bekommen habe) die Angst etwas auszuprobieren, weil etwas bewertet wird.
    Das führt mich gleich weiter zu Bewertungen. Die sog. positive Bewertung macht mich abhängig, Lob heischend; umso vernichtender sind dann die negativen Bewertungen (Wieso? Ich hab doch mein Bestes gegeben… Schon wieder unterstellt mir wer nicht gut genug für zu sein, vlt. zu faul etc. – das kränkt und hemmt mich, streut Sand in mein Getriebe).
    Das zu reflektieren regt an, sehr wachsam zu werden wann immer ich wieder in so eine Situation komme und mich daran zu erinnern, dass ich mir genug bin und schau, ob ich mit mir selbst zufrieden bin, bei mir bleibe (um nicht von den Bewertungen andere abhängig zu sein – loooong way to run BUT absolutely worth trying).

    Liked by 2 people

    1. Vielen Dank fürs teilen!
      Gerade war ich sogar noch etwas nervös, als ich die Benachrichtigung deines Kommentars bekam.
      Oh mein Gott ich werde bewertet!
      und?
      Das größte was uns zurückhält das zu tun was wir wirklich lieben, ist dass wir den Meinungen anderer Menschen VIEL zu viel Wert beimessen.
      Du hast das nochmals sehr gut auf den Punkt gebracht und mir wird dadurch auch klar wie sehr wir diese “Watsche” bekommen haben. Wir durften eine Zeit lang so sein, wie wir waren und ohne Bewertungen leben.

      Wir wurden sozusagen im Paradies groß und haben nicht gelernt uns zu “verteidigen”, zu schützen.

      Wir durften zwar so sein wie wir waren, aber haben nicht gelernt, dass auch nach außen zu vertreten.

      Es ist nie zu spät, es sein denn es ist zu spät.

      Liked by 1 person

      1. Scheints ist es Zeit Rückschau zu halten auf all die angenehmen Erfahrungen, die ich im Laufe des Lebens mit meinen Kindern erfahren durfte und auch auf die nicht angenehmen, im Zusammenhang mit Schule, die Gefühle von Trauer, Angst und Zorn hinterlassen haben und wie ich gerade merke, auf endgültige Er-Lösung drängen.

        Es war nicht nur die Vorstellung von “idealer” Kindheit für meine Kinder, die mich und meinen Ehemann dazu bewogen Alternativen für Kindergarten und Schule zu suchen bzw. mitzubegründen. Es war auch die Vorstellung von Selbstbestimmung, Freiheit und offener Lebensweise einer neuen Generation.
        Über Bücher, Vorträge und Kurse fand ich Eingang in eine Gedanken- und Gefühlswelt, die die natürliche Entfaltung von Kindern beschrieb und ich unterstützte die entstehende Altermativschule so gut ich konnte. Nach etlichen Anfangsschwierigkeiten begann die Sache zu laufen.
        Der Ideenreichtum, die Beweglichkeit, die Spontanität, die Freude und die Kraft, die von den Kindern, die diese Schule besuchten, ausging, war beeindruckend. Die Fotos von damals dokumentieren diese außergewöhnliche Zeit, die leider nicht allzu lange anhielt.

        Ich bin dankbar, dass es möglich war, diesen Traum so intensiv zu leben. Die Erinnerung daran soll beflügeln, soll neugierig machen auf das, was zehn, bzw. dreizehn Jahre lang wachsen und gedeihen durfte.
        Bahnt euch einen Weg durch das “verrückte Labyrinth” und hebt den Schatz!

        Liked by 2 people

    2. Lieber Räuberhäuptling,
      noch immer kein Schnee in diesen Landen?

      Von der Lust, etwas auszuprobieren
      zur Angst, etwas auszuprobieren…

      Wie weit mag der Weg/der Raum/the space …
      zwischen diesen beiden sein?
      Ich erinnere mich an die große Tuba und –
      wie ich ihr,
      sieben- oder achtjährig.
      einen mächtigen, prächtigen Ur/Unlaut? entlocken konnte…

      Waren es zwei oder drei Sekunden des Staunens/des Glücks/des Erschreckens?

      Eine kräftige Ohrfeige
      holte mich
      in jene Welt zurück,
      von der es ab dann immer seltener
      einen Weg zurück in jene andere gab…

      Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s